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Veranstaltungen mit Sketchnotes aufzeichnen

Mit Sketchnotes leichter und nachhaltiger lernen

Sketchnotes als visueller Anker

Mit Sketchnotes werden Inhalte besser verknüpft und leichter gelernt. Studien haben gezeigt, dass Zeichnen die effektivste Methode ist, um neue Inhalte zu lernen. Wir erinnern uns leichter, da die Worte mit einem Bildmotiv verknüpft und zudem mehrere Sinne angesprochen werden. Die Bildmotive funktionieren quasi wie ein Anker im Kopf. Sketchnotes kann man zu allen möglichen Veranstaltungen erstellen. Vorträge, Diskussionen, Workshops,… alles ist möglich! Wir empfehlen es sehr, diese Technik einmal auszuprobieren. Künstlerisches Talent ist dabei zweitrangig – man kann viele Visualisierungstechniken mit etwas Übung und Fleiß erlernen.

Interessanterweise spiegelt die Struktur, die auf dem Blatt entsteht übrigens häufig die Struktur der Veranstaltung wieder. Das kann dann eine klar lineare Abfolge sein. Oder aber aussehen wie eine Landkarte mit vielen Querverbindungen zwischen den einzelnen Punkten und Bildideen.

Was braucht man für Sketchnotes?

Eigentlich nicht viel. Einen Zeichenblock und Stifte nach Bedarf und persönlichem Geschmack. Wir benutzen gern Zeichenpapier-Blöcke in DinA3 oder DinA4. Die Größe hängt vor allem davon ab, wie lang der Vortrag ist, wie viel also auf’s Blatt passen soll. Aber auch die individuelle Zeichengeschwindigkeit und -größe spielt eine Rolle. Einfach ausprobieren ist da die Devise. Mit der Zeit lernt man durch Erfahrung einzuschätzen was sich für einen selbst eignet. Auch bei Stiften muss man einiges ausprobieren. In den Beispielen unten habe ich für die dickeren Überschriften einen Brush Pen, also einen Stift mit Pinselspitze verwendet. Für die restliche Schrift reicht ein (wasserfester) Zeichenstift. Bewährt hat sich eine reduzierte Farbigkeit, meist schwarz für Outlines, oft ein helles grau zum Schattieren und eine Signalfarbe zum hinterlegen und auszeichnen. Wir beim Designdoppel arbeiten sehr gerne mit größeren Farbflächen und mögen den grafischen Look. Aber auch ein malerischer Ansatz mit freien, übereinanderlaufenden Farben ist natürlich denkbar.

Beispiel Code.talks – eine Veranstaltung zeichnerisch aufnehmen

Kürzlich war ich auf der Entwicklerkonferenz code.talks – natürlich bewaffnet mit Zeichenblock und Stiften. Die Ergebnisse wollen wir euch nicht vorenthalten. Bei den Farben habe ich mich an der CI der Konferenz orientiert und versucht, einen ähnlichen Grünton auszuwählen. Meiner ist ein wenig bläulicher, aber ich finde, er macht sich als Flächen- und Signalfarbe ganz gut.

Es ging los mit der Eröffnung, in der ein paar grundlegende Informationen geteilt und die Tracks/ Themen vorgestellt wurden:

 

code talks 2018 welcome speech sketchnote

code talks 2018 welcome speech sketchnote

Anschließend tauschten sich drei erfolgreiche Unternehmer im IT-Bereich zu ihren gegründeten Unternehmen aus:

 

Tech Entrepreneur Code.talks Sketchnote

Tech Entrepreneur Code.talks Sketchnote

Schließlich ein Talk über die Zusammenarbeit zwischen Designern und Entwicklern, sowie eventuellen Problemen in der Kommunikation:

Designer Developer Interaction Code.talks Sketchnotes

Designer Developer Interaction Code.talks Sketchnotes

 

Anschließend eine Diskussion über die Zukunft von VR und AR:

Future of Reality VR AR Code.talks Sketchnotes

Und zu guter letzt wurde analysiert, wie man Deutschland aus der digitalen Steinzeit befreien könnte:

 

Digitale Steinzeit Code.talks Sketchnotes

Digitale Steinzeit Code.talks Sketchnotes

Erfolgreiches Graphic Recording durch Improvisation

Beim diesjährigen Branchentreffen der deutschsprachigen Graphic Recorder in Wien beschäftigten wir Visualisiererinnen und Visualisierer uns ausgiebig mit dem Thema Improvisation. Zum Einstieg gab es dann direkt eine spannende Keynote von Jimmy Chiang, dem Pianisten, Dirigenten und Kapellmeister der Wiener Sängerknaben, der uns einen erhellenden Einblick in die Improvisation aus musikalischer Perspektive verschaffte. Wir entdeckten dabei spannende Querbeziehungen zwischen Graphic Recording und Musik und hielten das Ganze auch als Sketchnotes in unserem Skizzenbuch fest.

Improvisation ist eine Fähigkeit, die auch beim Livezeichnen eine große Rolle spielt: man muss sich unentwegt auf neue Themen und Gedankengänge einstellen und eben durch Improvisation eine überzeugende visuelle Zusammenfassung erschaffen.

Chiang nennt drei wichtige Faktoren, die entscheidend sind, um improvisieren zu können: Ziel, Handwerk (Repertoire) und Kommunikation.

Keynote Sketchnote Graphic Recording Improvisation

Das Ziel der Improvisation

Wofür improvisiere ich? Um improvisieren zu können, muss man ein Ziel vor Augen haben. Dieses kann durchaus einfach sein, wenn man womöglich nur Spaß dabei haben möchte, oder auch komplexer, wenn man zum Beispiel darauf abzielt, eine gute Performance vor Publikum ablegen zu können – wenn auch die spontan eintretenden Gegebenheiten dies erschweren.

Die Ziele beim Graphic Recording sind häufig das Zusammenfassen des Wesentlichen, die Gabe neuer Sichtweisen, das visuelle Protokoll für den Kunden und das Greifbarmachen komplexer Inhalte.

Kenne dein Handwerk

Was brauche ich zum Improvisieren? Improvisation gelingt nicht einfach im „luftleeren Raum“, sondern durch schnelles Abrufen und neu Kombinieren von Bekanntem. Es muss spontan und unmittelbar, ohne zu großes Kopfzerbrechen geschehen, da die Zeit in Improvisationsmomenten häufig knapp bemessen ist. Um aus einem reichhaltigen Repertoire schöpfen zu können, das man spielerisch und gekonnt einsetzen kann, ist es wichtig, sein Handwerkszeug zu beherrschen. Beim Musiker bedeutet dies beispielsweise das Beherrschen vieler Musikstücke, das Wissen um Harmonielehre und den Aufbau und Wirkung von Musik aus verschiedensten Epochen und Stilen. Wie klingt Klassik? Was macht Jazz aus? Wann „swingt“ Musik?

Bei uns Graphic Recordern ist es erst einmal wichtig, das zeichnerische Handwerk zu beherrschen. Desweiteren sollte man ein möglichst gutes Repertoire an visuellen Metaphern haben, viele Skizzen machen, Schriften und ihre Wirkungen kennen sowie mit Farben umgehen können. Vorbereitung ist meist nur begrenzt möglich, da der Gesamtinhalt von Vorträgen oft zuvor nicht bekannt ist (und der Ablauf in Gruppenarbeiten sowieso nicht) und zudem immer unvorhergesehene Änderungen passieren können, auf die man spontan reagieren muss. Improvisation innerhalb eines starren Rahmens schränkt sehr ein und führt in der Regel zu wenig freien Ergebnissen.

Kommunikation ist alles

Wenn Musiker zusammen improvisieren, müssen sie aufeinander achten und sich gegenseitig zuhören. Auch von Vorteil ist es, wenn sie ihre individuellen Spielweisen kennen. Kommunikation findet dort durch das Instrument statt, z.B. werden Tempo und Lautstärke auf den anderen Musiker eingestellt, Sprünge bemerkt und eventuelle Fehler oder Lücken sinnvoll ergänzt. Graphic Recoder sind zwar oft auch als Facheinziger bei der Arbeit, dennoch ist das Zuhören enorm wichtig. Man muss merken, wenn die Stimmung sich ändert, wenn während zum Beispiel einer Gruppendiskussion sehr dringliche Probleme zum Vorschein kommen. Was zeichnet man nicht, was lässt man weg? Es gilt, stets aufmerksam zu sein und zwischen den Zeilen zu lesen. Noch konkreter ist die Kommunikation, wenn mehrere Graphic Recorder zusammenarbeiten sollen. Wie koordiniert man sich, verhindert Redundanz und schafft ein harmonisches Ganzes ohne Stilbrüche? Als Designdoppel haben wir hier natürlich einen klaren Vorteil als eingespieltes Team. Wir zeichnen schon lange zusammen und haben uns eine gemeinsame Figuren- und Stilwelt erarbeitet, die wir beide gleichermaßen beherrschen.

Design Thinking Workshops als Graphic Recorder begleiten

In den letzten Wochen war ich als Graphic Recorderin (oder „Scribe“, wie manche sagen) wieder auf einigen Design Thinking Workshops unterwegs und möchte euch hier einen kleinen Überblick über die Design Thinking Methode an sich sowie die Nutzung eines Graphic Recordings bei einem solchen Workshop geben.

Design Thinking – was ist das?

Auch wenn der Name auf ein design-spezifisches Format hinzuweisen scheint, hat Design Thinking erst einmal gar nicht so viel mit Design im alltäglichen Sinne zu tun. Vielmehr beschreibt der Design Thinking Prozess eine Methode, mit der sich über verschiedene Phasen einer Problemstellung angenähert sowie ein Lösungsansatz entwickelt wird. Dabei kommen in der Regel Menschen verschiedener Disziplinen, Altersstufen und Hierarchien in einem Kreativität fördernden Umfeld zusammen. Die Benennung selbst stammt vermutlich daher, dass die Design Thinking Methodik häufig mit der Arbeit von z.B. Produktdesignern verglichen wird, die sich über die Ästhetik des Produktes hinaus intensiv mit den Bedürfnissen und Motivationen des Endnutzers beschäftigen und über mehrere Entwurfs- und Iterationsschleifen nutzerzentrische Lösungen finden.

Während dieser Innovations-Workshops gibt es einige Spielregeln zu befolgen: Es gilt visuell zu arbeiten, Kritik jeder Art zu Hause zu lassen und stets fokussiert zu bleiben. Es soll frei gedacht werden und gerade die wilden und verrückten Ideen sind dabei willkommen – und davon am besten so viel wie möglich! Man baut auf den Ideen der anderen auf, hat dabei stets den Nutzer im Fokus und hat ganz nebenbei auch viel Spaß mit den anderen Teilnehmern. Und ganz wichtig: Scheitern ist ein ganz gewollter Teil des Prozesses und gehört dazu. Früh und oft zu scheitern hilft, die bestmögliche Lösung zu finden.Design Thinking Regeln Prinzipien Spielregeln Illustration Graph

Design Thinking Phase 1: Empathize

 Während der Empathie-Phase des Design Thinking Prozesses geht es vor allem um das genaue Verständnis der Zielgruppe. Was bewegt diese Menschen? Was zeichnet sie aus? Welche Wünsche, Ziele und Herausforderungen haben sie? Man wechselt die Perspektive und versucht, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen. Dabei helfen genaue Beobachtung genauso wie bedeutungsvolle Gespräche und Interviews. In der Empathie-Phase werden häufig auch sogenannte Personas kreiert. Eine Persona ist eine sehr konkrete, fiktive Person, der genau das Problem zugeschrieben wird, das im Prozess gelöst werden soll. Dabei spielen Aussehen und Privatleben genauso eine Rolle wie das Berufsleben. Personas helfen, sich mit der Zielgruppe und der Problemstellung noch besser zu identifizieren.

 Design-Thinking-Phasen Empathize Illustration

Design Thinking Phase 2: Define

 

 In der Definitions-Phase geht es darum, all die gewonnenen Informationen zusammenzutragen und die Essenz der Einblicke („insights“) herauszufiltern. Zahlen und Statistiken sind hierfür wenig relevant, vielmehr müssen diese hinterfragt werden, um das „Warum“ dahinter ausfindig zu machen. In dieser Prozess-Phase des Design Thinking sollte die Fragestellung aufgrund der Erkenntnisse konkretisiert werden. Dafür werden häufig „How might we…“-Fragen angewandt, die weder zu weit noch zu eng gefasst sein sollten.

Die Define- und Empathize-Phasen können übrigens sehr eng miteinander verzahnt sein und sich in mehreren Iterationen gegenseitig unterstützen.

Design Thinking Phase 3: Ideate

Während in den ersten beiden Phasen des Design Thinking  das Problem und die Zielgruppe identifiziert wurden, ist die Ideations-Phase der Beginn der Lösungssuche. In verschiedenen Brainstorming-Zyklen werden in sehr kurzer Zeit sehr viele Ideen generiert. Dabei ist wirklich kein Gedanke zu verrückt, zu abwegig oder zu banal, um aufgeschrieben zu werden. Die gesammelten Geistesblitze aller Teilnehmer (der entsprechenden Gruppe) werden schließlich nach Oberthemen geclustert. Anschließend darf jedes Gruppenmitglied seine favorisierten Ideen nennen. Am Ende der Ideations-Phase sollte sich das Team für einen gemeinsamen Lösungsansatz entscheiden.

 

Design Thinking Phase 4 und 5: Prototype and Iterate

 

Design-Thinking-Phasen Iterate

Nach Herausarbeitung einer ersten Lösungsidee geht es dann sehr schnell in die Prototypen-Phase. Den Teilnehmern werden allerlei Materialen zu Verfügung gestellt, um ihre Ideen haptisch und visuell erlebbar zu machen. Dabei gilt die Grundregel „Better done than perfect!“, also lieber etwas unvollkommenes, aber fertig vorführbares in den Händen zu haben als ein perfektes Konzept ohne greifbare Ausführung. Die Prototypen sollten möglichst schnell in einen Test und Iterationszyklus eingebunden werden, denn jedes Feedback hilft, den Prototypen zu verbessern. Wie schon zuvor angedeutet: Frühes Ausprobieren und Scheitern sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur idealen Lösung. Manches Mal führt einen auch die Prototypen-Phase zurück zur Zielgruppenbeobachtung und Problemdefinition oder zur Generierung ganz neuer Ideen. Das Schöne am Design Thinking Prozess ist, dass er tatsächlich nicht linear zu verstehen ist, da alle Zahnräder stets ineinander greifen.

Die Rolle des Graphic Recorders in Design Thinking Workshops

Als Graphic Recorder gibt es auf einem Design Thinking Workshop verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Natürlich kann der Zeichner alle im Plenum vorgetragenen Inhalte (z.B. Impulsvorträge, Einführungsworte zu den einzelnen Phasen sowie Gruppendiskussionen) auf einem Gesamtbild visuell festhalten. Dadurch haben die Teilnehmer in den Pausen und Übergangsphasen immer wieder einen Ort des Überblicks über den derzeitigen Standpunkt des Prozesses sowie die wichtigsten Kernaussagen der Vorträge greifbar illustriert. Es bietet sich für einen Workshop mit großer Teilnehmerzahl ebenfalls an, für jede Gruppe ein eigenes Bild zu zeichnen, in dem die entscheidenden Momente und Beschlüsse des Teams festgehalten werden. Bei genug Zeit ist es immer schön, die einzelnen Teammitglieder namentlich und als kleine Karikatur einzubinden. So kann man die Kollegen sofort ihrem Team und ihrer Problemstellung zuordnen – und natürlich freut sich zudem jeder Teilnehmer über ein kleines Avatar seiner eigenen Person.

Auf diese Illustration der einzelnen Design Thinking Gruppen lassen sich übrigens auch die finalen Präsentationen wunderbar live graphic recorden. Ein schöner Abschluss und eine prima Übersicht über die Prozesse und Ergebnisse aller Gruppen!

Neben diesen Gesamtillustrationen kann der Graphic Recorder auch wunderbar die einzelnen Phasen unterstützen. So ist er meist eine große Hilfe, wenn es um die Identifizierung der Zielgruppe und die damit verbundene Erstellung einer Persona geht. Seine Visualisierung der erdachten Person hilft den Teilnehmern enorm, ein klares Bild des Charakters zu bekommen und sich dessen Problemen besser zu identifizieren und intensiver auseinanderzusetzen. Häufig ist es sinnvoll, sich hier als Zeichner wirklich aktiv mit der Gruppe über verschiedene charakterliche und visuelle Attribute zu unterhalten und gemeinsam eine Persona zu entwickeln, mit der alle Teilnehmer zufrieden sind.

Außerdem ist der Graphic Recorder eine willkommene Unterstützung, wenn es in der Prototypen-Phase um die Visualisierung der Ideen geht. Es ist wichtig, dass die Workshop Teilnehmer gemäß der Design Thinking Grundregeln auch selbst visuell aktiv werden, doch kann eine professionelle Zeichnung für die finale Präsentation helfen, den anderen Teilnehmern und der Jury (falls es eine gibt) die Idee besonders greifbar zu machen. Je nach Intensität des Workshops und der Notwendigkeit vieler Visualisierungen können natürlich auch mehrere Graphic Recorder auf einem Design Thinking Workshop aktiv werden und jeweils ein Team betreuen.

Ob man sich nun für alle oder nur einige der Einsatzfelder von Graphic Recording für einen Design Thinking Workshop entscheidet – in jedem Fall unterstützt der Zeichner die kreative Energie der Methodik enorm und schafft einen Mehrwert für Motivation, Erlebnis, Ergebnis und Erinnerung der Veranstaltung.

Open Space Workshops als Graphic Recorder begleiten

Open Space – was ist das?

Als Harrison Owen, ein amerikanischer Berater, eine Konferenz mit rund 250 Teilnehmern leitete und organisierte, machte er eine interessante Beobachtung: Auch wenn die Heausforderung, eine Großgruppenkonferenz für die Teilnehmer gewinnbringend zu gestalten ihm nicht schlecht gelang, für die Teilnehmer waren die Gespräche die „ganz nebenbei“ in den Pausen, am Büffet oder der Kaffeetheke abliefen am spannendsten und fruchtbarsten. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, auch Themen abseits der Agenda anzusprechen und knüpften ganz ungezwungen neue Kontakte. Diese Offenheit und Unbefangenheit machte Owen nachdenklich. Konnte man diese positive Energie nicht auch für die Konferenz an sich nutzen? Daraufhin entwickelte er die Moderationstechnik des Open Spaces.

Beim Open Space geht es darum, den Teilnehmern einen offenen Raum zu ermöglichen, in dem sie ihre eigenen Themen besprechen können. Die Teilnehmer legen also ihre eigene Agenda fest. Zu Beginn werden sie ermutigt, sich ein Thema auszusuchen, das ihnen unter den Nägeln brennt und es auf ein Moderationskärtchen zu schreiben. Diese Themen werden dann jeweils einem freien Zeitslot und einem Ort zugeteilt und offen sichtbar für alle ausgehangen. Die Moderation unterstützt diesen Prozess, fasst Themen zusammen, die sich sehr ähnlich sind und schlängt freie Slots vor. So entsteht die Agenda, oft auch „Marktplatz“ genannt. Anschließend suchen sich die Teilnehmer aus, zu welcher Arbeitsgruppe sie gehen möchten und besprechen dort eigenverantwortlich ihr gewähltes Thema.

Als Regel gibt es beim Open Space das „Gesetz der zwei Füße“: Jeder Teilnehmer bleibt nur so lange bei einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet und kann jederzeit weiterziehen. Dadurch entstehen „Hummeln und Schmetterlinge“: Während Hummeln emsig von Gruppe zu Gruppe fliegen und die Workshops wechselseitig befruchten, sind die schönen Schmetterlinge einfach Anziehungspunkte in der Gruppe.

Weitere Regeln: „Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute“ , „was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte“, „es beginnt, wenn die Zeit reif ist“, „vorbei ist vorbei – nicht vorbei ist nicht vorbei“. Betont wird also deutlich die Offenheit und die Teilnehmer werden ermutigt, offen und kreativ zu denken und ihre vorgefertigten Erwartungen abzulegen.

Gruppenwechsel bei Open Spaces

Open Spaces sind tolle Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer meist mit viel Kreativität, Energie und Begeisterung an ihre Themen gehen. Das überträgt sich schnell auch auf den Graphic Recorder. Da es meistens nicht genug Zeichner vor Ort gibt, um alle Gruppen abdecken zu können und die Agenda so offen ist, hat man allerdings immer ein wenig den Eindruck, man könne nicht alle Themen und Diskussionen vollständig gerecht werden. Ein häufiges hin-und-herspringen zwischen Räumen und Gruppen bleibt da nicht aus. Ich denke jedoch, es ist sinnvoll, das Gesetz der Zwei Füße auch für sich selbst gelten zu lassen und sich keine festen Regeln wie „nach 10 Minuten wechsle ich immer die Gruppe“ vorzunehmen. So wird man dem offenen Format des Open Spaces nicht wirklich gerecht. Bei einem Gruppenwechsel verliert man immer Zeit, nicht nur um in einen anderen Raum zu gehen, sondern auch um dort den Gesprächsfaden und das aktuelle Thema erst einmal gedanklich aufgreifen zu können. Ich persönlich wechsle immer dann den Raum, wenn ich das Gefühl habe, verstanden zu haben, was in der Gruppe vor sich geht und wenn der neue Input langsam etwas dünner oder lediglich ergänzend wird. Auch der Zeitpunkt, wann man in eine neue Gruppe wechselt, ist nicht egal. Meist ist es am besten, gleich zu Beginn eines Zeitslots einzusteigen – wenn ich aber feststelle, dass die Gruppe noch nicht so richtig in Fahrt kommt, wechsle ich manchmal auch direkt weiter zur nächsten Gruppe. Ein wenig verlasse ich mich da auch auf mein Bauchgefühl um die Gruppen zu identifizieren, in denen gerade ein tolles, angeregtes Gespräch im Gange ist.

Vorbereitung auf einen Open Space Workshop

Durch das offene Format kann man sich natürlich nur ganz allgemein auf den Workshop vorbereiten. Die Themen sind ja im Vorfeld noch gar nicht ausgearbeitet. Dennoch wird es wie bei jedem Event jedoch ein allgemeines Thema geben, zu dem man sich informieren und warmskizzieren sollte. Wichtig ist es hier auch, die Teilnehmergruppen zu identifizieren und sich im Vorfeld einmal in die Gruppierungen hineinzuversetzen. Vielleicht kann der Organisator des Events auch Informationen darüber geben, welche Themen der Zielgruppe gerade unter den Nägeln brennen oder welche Ereignisse es in diesem Feld vielleicht gegeben hat, auf die Bezug genommen werden könnte. Bei einem Open Space zum Thema Kindertagesstätten, der parallel zu den Flüchtlingsströmen stattfand, war natürlich Integration und Interkulturelles Lernen ein großes Thema. Weniger empfehlen kann ich es jedoch, sich bei der Vorbereitung bereits ein festes Layout oder ein Gesamtbild auszudenken, in das dann die Inhalte nur noch hineingemalt werden müssen. Das wird nicht funktionieren und passt auch gar nicht zum offenen Format des Open Spaces. Spontanität spielt hier auch für den Graphic Recorder eine große Rolle.

Open Spaces – Wie kann man Graphic Recordings und Illustrationen nutzen?

Graphic Recordings sind ja ohnehin immer ein tolles Erlebnis für die Beteiligten. Bei einem Open Space erfahren ihre Ideen Wertschätzung, wenn sie gezeichnet und festgehalten werden. Zudem erfahren die Teilnehmer ein wenig davon, was in den anderen Gruppen passiert ist, bekommen einen Eindruck über die Vielfalt der Themen und können neue Querverbindungen zu ihren persönlichen Ideen und Eindrücken ziehen. Dadurch bleibt die Veranstaltung länger und nachhaltiger im Kopf und ruft beim Betrachten des Bildes die positive und kreative Energie des Workshops wieder wach. Neben der Aufzeichnung der Arbeitsgruppen kann das Graphic Recording auch die Moderation unterstützen. Warum nicht einmal die Regeln des Open Spaces für alle gut sichtbar illustrieren, während die Moderation sie den Teilnehmern erklärt? So werden die Regeln nicht nur direkt greifbar gemacht, die Menschen werden direkt in das kreative und offene Format eingestimmt, dass sie in den nächsten Stunden oder Tagen begleiten wird. Natürlich muss so etwas im Vorfeld mit der Moderation und den Organisatoren abgesprochen und abgestimmt werden.

Fazit

Open Spaces sind großartige Events, bei denen man als Graphic Recorder viel Begeisterung und tolle Ideen aufnehmen darf. Es ist aber auch anspruchsvoll, sie zu illustrieren, denn vorbereiten kann man sich kaum und man wird immer das Gefühl haben, den vielen Gruppen und Ideen nicht vollständig gerecht werden zu können. Wenn man diesen Gedanken der Vollständigkeit aber über Bord wirft und sich die Open Space Regel „was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte“ zu Herzen nimmt, kann man mit einem Graphic Recording wunderbar die Stimmung, Themenvielfalt und Kreativität des Events einfangen.

Weekly Graphic Recording #44: Open Blues Event Illustration

Graphic Recording Event Illustration Open Blues Dancing

Die heutige Illustration, die ich mit euch teilen möchte, ist eine etwas andere Art der Event Visualisierung: Statt sich mit inhaltlichen Themen zu beschäftigen, wie es ein normales Graphic Recording tut, versucht diese Illustration die Stimmung während einer mehrtägigen Veranstaltung aufzunehmen und einzelne Details der Ereignisse, der Menschen, der Lokalität und Gegenstände in komplexen Überlagerungen abzubilden. Sie zeichnet ein persönliches Erinnerungsbild und wird von den Teilnehmern gern weiterverwendet.

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Graphic Recording – Publikation unserer Arbeiten

Graphic Recording Buch Designdoppel

Best of Graphic Recording

Wir freuen uns sehr – der Gestalten Verlag hat ein wunderschönes Buch zum Thema Graphic Recording heruasgebracht, in dem auch zwei großflächige digitale Graphic Recordings von uns veröffentlicht wurden. „Graphic Recording – Eine Anleitung zum Illustrieren von Meetings, Konferenzen und Workshops“ betitelt das Buch von Herausgeberin Anna-Lena Schiller, die eine von uns geschätzte Hamburger Kollegin und ebenfalls in der Graphic Recording Welt unterwegs ist.

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Illustrierter Jahresrückblick 2016 als digitales Graphic Recording

Illustrierter Jahresrückblick 2016 Roadtrip Illustration

Jahresrückblick 2016 – Das bewegte die Welt

Schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Und auch wenn wir nun alle bereits an guten Vorsätze fürs neue Jahr 2017 sowie unsere Silvestervorbereitungen denken, möchten wir vom Designdoppel die Zeit nutzen, um mit einem illustrierten Jahresrückblick zurückzuschauen. Leider prägten das Jahr 2016 vor allem traurige, dramatische und politisch heikle Ereignisse.

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Digitales Graphic Recording – Moderne Visualisierungen mit dem Tablet

Digitales Graphic Recording 2016 Designdoppel

Mit Stift und Papier, so kennen wir das klassische Graphic Recording. Man spannt lange Papierbahnen auf dem Event auf und zeichnet die Inhalte der Vorträge live mit Markern mit. Doch was passiert eigentlich, wenn man die Visualisierungstechnik des Graphic Recordings auf ein modernes Medium überträgt? Was bedeutet digitales Graphic Recording, worauf muss man achten und was sind die Vorteile?

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Graphic Recording Digital – Veröffentlichung der neuen Homepage

Herzlich Willkommen

Zunächst einmal ein großes „Herzlich Willkommen“ auf unserer neuen Website zum Thema Graphic Recording, einer Seite vom Designdoppel.

Wer uns noch nicht kennt: Das Designdoppel ist ein Unternehmen, das 2014 von Anna Penkner und Renate Pommerening gegründet wurde und sich mit Leidenschaft innovativen und schönen Design- und Illustrationsprojekten verschrieben hat. Wir lieben herausfordernde Themen, stimmige und bis ins letzte Detail durchdachte Konzepte – wir machen aus trockenen Themen spannende Infografiken, zeigen Produkte von ihrer Schokoladenseite, animieren Sympathieträger mit einer Prise Humor. Und manchmal sind wir eben auch bei Veranstaltungen live mit dabei und finden neue Visualisierungen für die verschiedensten Themen – das Graphic Recording. Da dieser Bereich in letzter Zeit immer mehr zu einem unserer liebsten wurde, haben wir uns nun dazu entschieden, diesem Thema durch eine eigene Website mehr Raum zu geben.

Graphic Recording, oft auch Visual Recording, Scribing, Visual Facilitation oder schlicht Live Zeichnen genannt, bezeichnet kurz gesagt das unmittelbare, spontane Sichtbarmachen von Gesprochenem. Immer dann, wenn Menschen zusammenkommen, um Themen zu besprechen und Wissen weiterzugeben – sei es auf einem Kongress, Vortrag, Workshop oder auf einer Messe – ist es hilfreich, neben dem gesprochenen Wort auch eine Visualisierung dieser Inhalte zu bekommen. Das Vorgetragene bleibt dann leichter in Erinnerung, Bilder aktivieren auf natürlichstem Wege unsere Sinne und motivieren uns, am Ball zu bleiben. Als Graphic Recorder sind wir meist direkt vor Ort und verwandeln die besprochenen Themen live und unmittelbar in lebendige, greifbare Bilder. Wir machen Zusammenhänge sichtbar, filtern das Wesentliche und schaffen eigene Bildwelten. Ob klassisch mit Papier und Markern oder mit dem digitalen Tablet und Zeichenstift, es gibt viele Möglichkeiten.

Ziel dieser Homepage ist es, das Thema Graphic Recording, insbesondere Graphic Recording digital mehr in den Vordergrund zu rücken. Wir möchten viele – hoffentlich interessante – Fakten, Tipps, Herangehensweisen und Anekdoten aus unserer Arbeit teilen. Zudem wollen wir ein „Weekly Graphic Recording“ ins Leben rufen, bei dem wir uns jede Woche ein neues Thema suchen, das wir per Graphic Recording illustrieren. Somit bekommt ihr sicherlich einen guten Einblick in unsere Arbeit und auch allgemein in das Thema Graphic Recording.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Stöbern auf dieser Seite, die sich im Laufe der Zeit immer mehr füllen wird!