Graphic Recording – welche Möglichkeiten und Alternativen gibt es noch?
Viele sehen Graphic Recording primär als kreative aber eher passive Art der Dokumentation. Die Graphic Recorderin begleitet die Veranstaltung im Stillen und zeichnet die wichtigsten Bildinhalten mit. Dagegen ist gar nichts einzuwenden und manchmal passt diese Art der visuellen Dokumentation auch am besten zur Veranstaltung. Doch ein Blick über den Tellerrand kann sich für all diejenigen lohnen, die sich schon immer mal gefragt haben, ob da nicht noch „mehr“ geht und wie eine sinnvolle Alternative zum Graphic Recording oder eine Weiterentwicklung aussehen kann. Daher möchte ich mit dieser kleinen Miniserie „Graphic Recording Superpowers“ starten und mit einer Prise Humor und Superheldennarrativen erklären, wie man Graphic Recording noch einsetzen kann. Auf dieser kleinen Reise werden wir uns kreative Anwendungsbeispiele aus meiner jahrelangen Praxis anschauen und ein bisschen in den Bereich Visual Facilitaion hineinschnuppern.
Graphic Recording Superpower #1 : Mehr Interaktion und Partizipation
Graphic Recording kann auch viel interaktiver und partizipativer sein, als nur eine passive Dokumentation. Die Graphic Recorderin kann dabei direkt zur Ansprechstation für Ideen der Teilnehmenden werden. Menschen können auf sie zukommen und direkt Ideen zum Thema, Feedback oder Wünsche äußern, die unmittelbar auf’s Papier gebracht werden. Das ist für Menschen meist sehr spannend: Ihre eigene Idee wird Teil des Kunstwerks! Gerne können die Ideen direkt verbal geäußert werden, oder schriftlich (auf Post-Its oder Karteikarten) festgehalten werden. Manchmal, wenn sehr viele Menschen in kurzer Zeit Ideen äußern, ist ein schriftliches Mitnotieren sogar fast schon Pflicht, damit keine Idee vergessen wird.
Diese Form der Visualisierung eignet sich besonders für Veranstaltungen, bei denen Partizipation sehr wichtig ist. Sie kann auch Teil eines klassischen, dokumentarischen Graphic Recordings sein. Dann wäre ein Teil des Bildes beispielsweise reserviert für Themen wie „Meine Top Learnings“, „Feedback zur Veranstaltung“ oder „Das macht uns als Unternehmen aus“. Sofern die Möglichkeit zur Beteiligung gut anmoderiert wird, wird es in der Regel von den Menschen gut angenommen, dass sie partizipieren dürfen. Ansonsten lade ich als Graphic Recorderin die Menschen auch gerne mal dazu ein, mir ihre Ideen mitzuteilen.
Vorteile
- Radikale Steigerung von Beteiligung
- Inhalte werden sichtbar, die sonst nicht gehört oder gesehen werden
- Gemeinsames Verständnis entsteht schneller
- Lädt zur Diskussion ein ( „Da steht… wie siehst du das?“)
- Höhere emotionale Bindung
- Energie im Raum steigt deutlich
- Holt die Menschen von ihren Handys weg
- Verbindet Teilnehmer der Veranstaltung, bietet eine Gesprächsgrundlage
- Auch kritische Stimmen werden gehört, aber wertschätzend oder humorvoll verpackt
- Wenn Menschen sich gehört und eingebunden fühlen wird die Akzeptanz für neue/unangenehme Themen gesteigert