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Design Thinking Workshops als Graphic Recorder begleiten

In den letzten Wochen war ich als Graphic Recorderin (oder „Scribe“, wie manche sagen) wieder auf einigen Design Thinking Workshops unterwegs und möchte euch hier einen kleinen Überblick über die Design Thinking Methode an sich sowie die Nutzung eines Graphic Recordings bei einem solchen Workshop geben.

Design Thinking – was ist das?

Auch wenn der Name auf ein design-spezifisches Format hinzuweisen scheint, hat Design Thinking erst einmal gar nicht so viel mit Design im alltäglichen Sinne zu tun. Vielmehr beschreibt der Design Thinking Prozess eine Methode, mit der sich über verschiedene Phasen einer Problemstellung angenähert sowie ein Lösungsansatz entwickelt wird. Dabei kommen in der Regel Menschen verschiedener Disziplinen, Altersstufen und Hierarchien in einem Kreativität fördernden Umfeld zusammen. Die Benennung selbst stammt vermutlich daher, dass die Design Thinking Methodik häufig mit der Arbeit von z.B. Produktdesignern verglichen wird, die sich über die Ästhetik des Produktes hinaus intensiv mit den Bedürfnissen und Motivationen des Endnutzers beschäftigen und über mehrere Entwurfs- und Iterationsschleifen nutzerzentrische Lösungen finden.

Während dieser Innovations-Workshops gibt es einige Spielregeln zu befolgen: Es gilt visuell zu arbeiten, Kritik jeder Art zu Hause zu lassen und stets fokussiert zu bleiben. Es soll frei gedacht werden und gerade die wilden und verrückten Ideen sind dabei willkommen – und davon am besten so viel wie möglich! Man baut auf den Ideen der anderen auf, hat dabei stets den Nutzer im Fokus und hat ganz nebenbei auch viel Spaß mit den anderen Teilnehmern. Und ganz wichtig: Scheitern ist ein ganz gewollter Teil des Prozesses und gehört dazu. Früh und oft zu scheitern hilft, die bestmögliche Lösung zu finden.Design Thinking Regeln Prinzipien Spielregeln Illustration Graph

Design Thinking Phase 1: Empathize

 Während der Empathie-Phase des Design Thinking Prozesses geht es vor allem um das genaue Verständnis der Zielgruppe. Was bewegt diese Menschen? Was zeichnet sie aus? Welche Wünsche, Ziele und Herausforderungen haben sie? Man wechselt die Perspektive und versucht, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen. Dabei helfen genaue Beobachtung genauso wie bedeutungsvolle Gespräche und Interviews. In der Empathie-Phase werden häufig auch sogenannte Personas kreiert. Eine Persona ist eine sehr konkrete, fiktive Person, der genau das Problem zugeschrieben wird, das im Prozess gelöst werden soll. Dabei spielen Aussehen und Privatleben genauso eine Rolle wie das Berufsleben. Personas helfen, sich mit der Zielgruppe und der Problemstellung noch besser zu identifizieren.

 Design-Thinking-Phasen Empathize Illustration

Design Thinking Phase 2: Define

 

 In der Definitions-Phase geht es darum, all die gewonnenen Informationen zusammenzutragen und die Essenz der Einblicke („insights“) herauszufiltern. Zahlen und Statistiken sind hierfür wenig relevant, vielmehr müssen diese hinterfragt werden, um das „Warum“ dahinter ausfindig zu machen. In dieser Prozess-Phase des Design Thinking sollte die Fragestellung aufgrund der Erkenntnisse konkretisiert werden. Dafür werden häufig „How might we…“-Fragen angewandt, die weder zu weit noch zu eng gefasst sein sollten.

Die Define- und Empathize-Phasen können übrigens sehr eng miteinander verzahnt sein und sich in mehreren Iterationen gegenseitig unterstützen.

Design Thinking Phase 3: Ideate

Während in den ersten beiden Phasen des Design Thinking  das Problem und die Zielgruppe identifiziert wurden, ist die Ideations-Phase der Beginn der Lösungssuche. In verschiedenen Brainstorming-Zyklen werden in sehr kurzer Zeit sehr viele Ideen generiert. Dabei ist wirklich kein Gedanke zu verrückt, zu abwegig oder zu banal, um aufgeschrieben zu werden. Die gesammelten Geistesblitze aller Teilnehmer (der entsprechenden Gruppe) werden schließlich nach Oberthemen geclustert. Anschließend darf jedes Gruppenmitglied seine favorisierten Ideen nennen. Am Ende der Ideations-Phase sollte sich das Team für einen gemeinsamen Lösungsansatz entscheiden.

 

Design Thinking Phase 4 und 5: Prototype and Iterate

 

Design-Thinking-Phasen Iterate

Nach Herausarbeitung einer ersten Lösungsidee geht es dann sehr schnell in die Prototypen-Phase. Den Teilnehmern werden allerlei Materialen zu Verfügung gestellt, um ihre Ideen haptisch und visuell erlebbar zu machen. Dabei gilt die Grundregel „Better done than perfect!“, also lieber etwas unvollkommenes, aber fertig vorführbares in den Händen zu haben als ein perfektes Konzept ohne greifbare Ausführung. Die Prototypen sollten möglichst schnell in einen Test und Iterationszyklus eingebunden werden, denn jedes Feedback hilft, den Prototypen zu verbessern. Wie schon zuvor angedeutet: Frühes Ausprobieren und Scheitern sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur idealen Lösung. Manches Mal führt einen auch die Prototypen-Phase zurück zur Zielgruppenbeobachtung und Problemdefinition oder zur Generierung ganz neuer Ideen. Das Schöne am Design Thinking Prozess ist, dass er tatsächlich nicht linear zu verstehen ist, da alle Zahnräder stets ineinander greifen.

Die Rolle des Graphic Recorders in Design Thinking Workshops

Als Graphic Recorder gibt es auf einem Design Thinking Workshop verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Natürlich kann der Zeichner alle im Plenum vorgetragenen Inhalte (z.B. Impulsvorträge, Einführungsworte zu den einzelnen Phasen sowie Gruppendiskussionen) auf einem Gesamtbild visuell festhalten. Dadurch haben die Teilnehmer in den Pausen und Übergangsphasen immer wieder einen Ort des Überblicks über den derzeitigen Standpunkt des Prozesses sowie die wichtigsten Kernaussagen der Vorträge greifbar illustriert. Es bietet sich für einen Workshop mit großer Teilnehmerzahl ebenfalls an, für jede Gruppe ein eigenes Bild zu zeichnen, in dem die entscheidenden Momente und Beschlüsse des Teams festgehalten werden. Bei genug Zeit ist es immer schön, die einzelnen Teammitglieder namentlich und als kleine Karikatur einzubinden. So kann man die Kollegen sofort ihrem Team und ihrer Problemstellung zuordnen – und natürlich freut sich zudem jeder Teilnehmer über ein kleines Avatar seiner eigenen Person.

Auf diese Illustration der einzelnen Design Thinking Gruppen lassen sich übrigens auch die finalen Präsentationen wunderbar live graphic recorden. Ein schöner Abschluss und eine prima Übersicht über die Prozesse und Ergebnisse aller Gruppen!

Neben diesen Gesamtillustrationen kann der Graphic Recorder auch wunderbar die einzelnen Phasen unterstützen. So ist er meist eine große Hilfe, wenn es um die Identifizierung der Zielgruppe und die damit verbundene Erstellung einer Persona geht. Seine Visualisierung der erdachten Person hilft den Teilnehmern enorm, ein klares Bild des Charakters zu bekommen und sich dessen Problemen besser zu identifizieren und intensiver auseinanderzusetzen. Häufig ist es sinnvoll, sich hier als Zeichner wirklich aktiv mit der Gruppe über verschiedene charakterliche und visuelle Attribute zu unterhalten und gemeinsam eine Persona zu entwickeln, mit der alle Teilnehmer zufrieden sind.

Außerdem ist der Graphic Recorder eine willkommene Unterstützung, wenn es in der Prototypen-Phase um die Visualisierung der Ideen geht. Es ist wichtig, dass die Workshop Teilnehmer gemäß der Design Thinking Grundregeln auch selbst visuell aktiv werden, doch kann eine professionelle Zeichnung für die finale Präsentation helfen, den anderen Teilnehmern und der Jury (falls es eine gibt) die Idee besonders greifbar zu machen. Je nach Intensität des Workshops und der Notwendigkeit vieler Visualisierungen können natürlich auch mehrere Graphic Recorder auf einem Design Thinking Workshop aktiv werden und jeweils ein Team betreuen.

Ob man sich nun für alle oder nur einige der Einsatzfelder von Graphic Recording für einen Design Thinking Workshop entscheidet – in jedem Fall unterstützt der Zeichner die kreative Energie der Methodik enorm und schafft einen Mehrwert für Motivation, Erlebnis, Ergebnis und Erinnerung der Veranstaltung.

Open Space Workshops als Graphic Recorder begleiten

Open Space – was ist das?

Als Harrison Owen, ein amerikanischer Berater, eine Konferenz mit rund 250 Teilnehmern leitete und organisierte, machte er eine interessante Beobachtung: Auch wenn die Heausforderung, eine Großgruppenkonferenz für die Teilnehmer gewinnbringend zu gestalten ihm nicht schlecht gelang, für die Teilnehmer waren die Gespräche die „ganz nebenbei“ in den Pausen, am Büffet oder der Kaffeetheke abliefen am spannendsten und fruchtbarsten. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, auch Themen abseits der Agenda anzusprechen und knüpften ganz ungezwungen neue Kontakte. Diese Offenheit und Unbefangenheit machte Owen nachdenklich. Konnte man diese positive Energie nicht auch für die Konferenz an sich nutzen? Daraufhin entwickelte er die Moderationstechnik des Open Spaces.

Beim Open Space geht es darum, den Teilnehmern einen offenen Raum zu ermöglichen, in dem sie ihre eigenen Themen besprechen können. Die Teilnehmer legen also ihre eigene Agenda fest. Zu Beginn werden sie ermutigt, sich ein Thema auszusuchen, das ihnen unter den Nägeln brennt und es auf ein Moderationskärtchen zu schreiben. Diese Themen werden dann jeweils einem freien Zeitslot und einem Ort zugeteilt und offen sichtbar für alle ausgehangen. Die Moderation unterstützt diesen Prozess, fasst Themen zusammen, die sich sehr ähnlich sind und schlängt freie Slots vor. So entsteht die Agenda, oft auch „Marktplatz“ genannt. Anschließend suchen sich die Teilnehmer aus, zu welcher Arbeitsgruppe sie gehen möchten und besprechen dort eigenverantwortlich ihr gewähltes Thema.

Als Regel gibt es beim Open Space das „Gesetz der zwei Füße“: Jeder Teilnehmer bleibt nur so lange bei einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet und kann jederzeit weiterziehen. Dadurch entstehen „Hummeln und Schmetterlinge“: Während Hummeln emsig von Gruppe zu Gruppe fliegen und die Workshops wechselseitig befruchten, sind die schönen Schmetterlinge einfach Anziehungspunkte in der Gruppe.

Weitere Regeln: „Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute“ , „was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte“, „es beginnt, wenn die Zeit reif ist“, „vorbei ist vorbei – nicht vorbei ist nicht vorbei“. Betont wird also deutlich die Offenheit und die Teilnehmer werden ermutigt, offen und kreativ zu denken und ihre vorgefertigten Erwartungen abzulegen.

Gruppenwechsel bei Open Spaces

Open Spaces sind tolle Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer meist mit viel Kreativität, Energie und Begeisterung an ihre Themen gehen. Das überträgt sich schnell auch auf den Graphic Recorder. Da es meistens nicht genug Zeichner vor Ort gibt, um alle Gruppen abdecken zu können und die Agenda so offen ist, hat man allerdings immer ein wenig den Eindruck, man könne nicht alle Themen und Diskussionen vollständig gerecht werden. Ein häufiges hin-und-herspringen zwischen Räumen und Gruppen bleibt da nicht aus. Ich denke jedoch, es ist sinnvoll, das Gesetz der Zwei Füße auch für sich selbst gelten zu lassen und sich keine festen Regeln wie „nach 10 Minuten wechsle ich immer die Gruppe“ vorzunehmen. So wird man dem offenen Format des Open Spaces nicht wirklich gerecht. Bei einem Gruppenwechsel verliert man immer Zeit, nicht nur um in einen anderen Raum zu gehen, sondern auch um dort den Gesprächsfaden und das aktuelle Thema erst einmal gedanklich aufgreifen zu können. Ich persönlich wechsle immer dann den Raum, wenn ich das Gefühl habe, verstanden zu haben, was in der Gruppe vor sich geht und wenn der neue Input langsam etwas dünner oder lediglich ergänzend wird. Auch der Zeitpunkt, wann man in eine neue Gruppe wechselt, ist nicht egal. Meist ist es am besten, gleich zu Beginn eines Zeitslots einzusteigen – wenn ich aber feststelle, dass die Gruppe noch nicht so richtig in Fahrt kommt, wechsle ich manchmal auch direkt weiter zur nächsten Gruppe. Ein wenig verlasse ich mich da auch auf mein Bauchgefühl um die Gruppen zu identifizieren, in denen gerade ein tolles, angeregtes Gespräch im Gange ist.

Vorbereitung auf einen Open Space Workshop

Durch das offene Format kann man sich natürlich nur ganz allgemein auf den Workshop vorbereiten. Die Themen sind ja im Vorfeld noch gar nicht ausgearbeitet. Dennoch wird es wie bei jedem Event jedoch ein allgemeines Thema geben, zu dem man sich informieren und warmskizzieren sollte. Wichtig ist es hier auch, die Teilnehmergruppen zu identifizieren und sich im Vorfeld einmal in die Gruppierungen hineinzuversetzen. Vielleicht kann der Organisator des Events auch Informationen darüber geben, welche Themen der Zielgruppe gerade unter den Nägeln brennen oder welche Ereignisse es in diesem Feld vielleicht gegeben hat, auf die Bezug genommen werden könnte. Bei einem Open Space zum Thema Kindertagesstätten, der parallel zu den Flüchtlingsströmen stattfand, war natürlich Integration und Interkulturelles Lernen ein großes Thema. Weniger empfehlen kann ich es jedoch, sich bei der Vorbereitung bereits ein festes Layout oder ein Gesamtbild auszudenken, in das dann die Inhalte nur noch hineingemalt werden müssen. Das wird nicht funktionieren und passt auch gar nicht zum offenen Format des Open Spaces. Spontanität spielt hier auch für den Graphic Recorder eine große Rolle.

Open Spaces – Wie kann man Graphic Recordings und Illustrationen nutzen?

Graphic Recordings sind ja ohnehin immer ein tolles Erlebnis für die Beteiligten. Bei einem Open Space erfahren ihre Ideen Wertschätzung, wenn sie gezeichnet und festgehalten werden. Zudem erfahren die Teilnehmer ein wenig davon, was in den anderen Gruppen passiert ist, bekommen einen Eindruck über die Vielfalt der Themen und können neue Querverbindungen zu ihren persönlichen Ideen und Eindrücken ziehen. Dadurch bleibt die Veranstaltung länger und nachhaltiger im Kopf und ruft beim Betrachten des Bildes die positive und kreative Energie des Workshops wieder wach. Neben der Aufzeichnung der Arbeitsgruppen kann das Graphic Recording auch die Moderation unterstützen. Warum nicht einmal die Regeln des Open Spaces für alle gut sichtbar illustrieren, während die Moderation sie den Teilnehmern erklärt? So werden die Regeln nicht nur direkt greifbar gemacht, die Menschen werden direkt in das kreative und offene Format eingestimmt, dass sie in den nächsten Stunden oder Tagen begleiten wird. Natürlich muss so etwas im Vorfeld mit der Moderation und den Organisatoren abgesprochen und abgestimmt werden.

Fazit

Open Spaces sind großartige Events, bei denen man als Graphic Recorder viel Begeisterung und tolle Ideen aufnehmen darf. Es ist aber auch anspruchsvoll, sie zu illustrieren, denn vorbereiten kann man sich kaum und man wird immer das Gefühl haben, den vielen Gruppen und Ideen nicht vollständig gerecht werden zu können. Wenn man diesen Gedanken der Vollständigkeit aber über Bord wirft und sich die Open Space Regel „was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte“ zu Herzen nimmt, kann man mit einem Graphic Recording wunderbar die Stimmung, Themenvielfalt und Kreativität des Events einfangen.

Welche Fähigkeiten braucht ein Graphic Recorder?

Graphic Recorder Recording Fähigkeiten

Graphic Recording ist inzwischen auch in Deutschland zu einer Visualisierungstechnik geworden, die aus dem Veranstaltungs- und Workshopkontext kaum noch wegzudenken ist. So ist es auch kein Wunder, dass immer mehr Zeichner und Illustratoren sich mit diesem speziellen Berufsfeld auseinandersetzen und überlegen, als freiberuflicher Graphic Recorder zu arbeiten. Was aber sind die nötigen Grundvoraussetzungen? Welche Fähigkeiten muss ein Graphic Recorder mitbringen, auf welche Gegebenheiten sich einstellen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir hier die wichtigsten Graphic Recording Fähigkeiten zusammengefasst.

Die Grundlagen: Bild, Schrift, Sprache

Als Allererstes sollte man natürlich zeichnen können. Dabei hilft einem allerdings detailverliebter Realismus beim Livezeichnen wenig weiter, entscheidender ist das schnelle zeichnerische Umsetzen erkennbarer Figuren, Objekte und Situationen. Jeden Perfektionismus sollte man dabei über Bord werfen können – sicherlich könnte man mit mehr Zeit und Aufwand „schönere“ Bilder zeichnen, aber darum geht es beim Graphic Recording eben gerade nicht. Neben dem Zeichnen von Bildelementen ist auch das Hinzufügen von Schrift und Textelementen ein wichtiger Baustein des visuellen Protokollierens. Das bedeutet, dass eine schnelle und saubere Handschrift beherrscht werden sollte, die auch für Außenstehende gut lesbar ist. Auch die richtige Rechtschreibung sollte am besten keine Schweißausbrüche auslösen, sondern sicher sitzen.

Da man als Graphic Recorder sehr häufig mit international ausgerichteten Unternehmen zu tun hat, ist es von großem Vorteil, der englischen Sprache mächtig zu sein – selbst bei Workshops, die im deutschen Raum stattfinden. Für internationale Aufträge ist natürlich auch jede andere Sprache ein Pluspunkt.

Talente für die konkrete Umsetzung

Während des Graphic Recordings ist dann auch ein gewisses Multitasking erforderlich. Man muss dem Vortrag (bzw. der Gruppendiskussion) aufmerksam und fokussiert zuhören, diesen nach Kernaussagen filtern und parallel im Kopf entsprechende Bilder entwickeln. Diese sollten dann inklusive der entsprechenden Schlagworte möglichst schnell aufs Papier (oder Tablet) gebracht werden, während man aber weiter dem Vortrag lauscht und weitere Motive plant. Es ist dabei sehr hilfreich, eine Art Bildlexikon im Kopf zu haben, dass für wiederkehrende Begrifflichkeiten bereits Motive und Metaphern bereithält. Zudem ist eine gute Allgemeinbildung nützlich und mithilfe eines ausgeprägten Abstraktionsvermögens lassen sich Zusammenhänge schneller bildlich erfassen. Wer außerdem Neugier und Interesse für fremde Fachthemen mitbringt, wird viel Freude daran haben, bei jeder Veranstaltung etwas Neues lernen zu können.

Das Auftreten als Graphic Recorder

Als Graphic Recorder wird man nicht nur für sein Zeichentalent gebucht, auch die menschliche Komponente spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Da sowohl in der Vorebereitung als auch während der Veranstaltungen viel be- und gesprochen wird, ist eine klare und freundliche Kommunikation sehr wichtig. Man sollte Absprachen machen und einhalten können und unbedingt pünktlich und zuverlässig sein. Selbst bei guten visuellen Ergebnissen wird der Kunde einen unzuverlässigen oder unsympathischen Graphic Recorder sicherlich nicht erneut buchen oder weiterempfehlen. Ein selbstbewusstes Auftreten gibt dem Kunden zudem das Gefühl, dass er es mit einem kompetenten Partner zu tun hat.

Trotz guter Absprachen sind Veranstaltungen meist komplex und nicht selten kommt es zu Verschiebungen und Planänderungen. Eine gewisse Flexibilität und Stressresistenz sind also unbedingt erforderlich. Desweiteren ist das Livezeichnen vor manchmal Hunderten von Führungskräften nichts für schwache Nerven. Es ist gut, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und mit Nervenstärke auch auf stressige Situationen zu reagieren.

Als Letztes ist noch zu erwähnen, dass der Beruf des Graphic Recorders zumeist nicht ortsgebunden ist, man also sehr häufig für Veranstaltungen außerhalb des eigenen Standortes gebucht wird. Reisebereitschaft für einen, manchmal auch mehrere Tage, ist demnach ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Man sieht an dieser Auflistung, dass die Arbeit als Graphic Recorder alles andere als anspruchslos ist. Wenn man aber bestimmte Fähigkeiten mitbringt und bereit ist, sich die anderen anzueignen, ist es ein wirklich ausgesprochen spannender und vielseitiger Job, bei dem man viel herumkommt, mit zahlreichen Unternehmen und Menschen aus allen Branchen zu tun hat, sich als Person weiterentwickelt und immer Neues lernt.

– von Renate –

Weekly Graphic Recording #46 – Ada Lovelace

Ada Lovelace Graphic Recording

 

In den letzten Wochen war leider wenig Zeit für unsere Weekly Graphic Recordings. Nun habe ich aber doch mal wieder eins geschafft. Dieses Mal geht es um die erste Programmiererin der Welt, Ada Lovelace. Sie schrieb das erste Computerprogramm, noch bevor Computer überhaupt existierten. Auf Basis der von Charles Babbage entworfenen „Analytical Engine“, die zu seinen und Adas Lebzeiten nicht gebaut werden konnte, schrieb sie ein Programm, das Bernoulli-Zahlen berechnen sollte. Heute gibt es eine nach ihr benannte Programmiersprache, sowie zahlreiche Initiativen und Preise die die Beteiligung von Frauen in der Informatik fördern und auszeichnen. Übrigens war vor kurzem erst der Ada Lovelace Day am 10. Oktober.

-von Anna-

Weekly Graphic Recording#45: How I’m Fighting Bias in Algorithms

How to fight Algorithmic Bias Weekly Graphic Recording

Diese Woche geht es um einen TED-Vortrag, von Joy Buolamwini, der sich mit dem Thema befasst, wie voreingenommen Algorithmen gegenüber Menschen sind, die nicht dem Durchschnittseuropäer entsprechen. Schon als Studentin fiel ihr auf, dass Gesichtserkennungssoftware Probleme damit hatte ihr Gesicht zu erkennen – sie musste erst eine weiße Maske aufsetzen, bevor sie mit dem Algorithmus arbeiten konnte. In ihrem spannenden Vortrag erläutert sie, warum Algorithmen derart selektiv wirken, wie daraus Diskriminierung entsteht und wie man diesem Phänomen, dem „Coded gaze“ , den Kampf ansagt.

 

– von Anna –

Weekly Graphic Recording #44: Open Blues Event Illustration

Graphic Recording Event Illustration Open Blues Dancing

Die heutige Illustration, die ich mit euch teilen möchte, ist eine etwas andere Art der Event Visualisierung: Statt sich mit inhaltlichen Themen zu beschäftigen, wie es ein normales Graphic Recording tut, versucht diese Illustration die Stimmung während einer mehrtägigen Veranstaltung aufzunehmen und einzelne Details der Ereignisse, der Menschen, der Lokalität und Gegenstände in komplexen Überlagerungen abzubilden. Sie zeichnet ein persönliches Erinnerungsbild und wird von den Teilnehmern gern weiterverwendet.

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Weekly Graphic Recording #41: Die Value Chain/ Wertschöpfungskette

 Graphic Recording digital Wertschöpfungskette Value Chain

Die Wertschöpfungskette oder auch Value Chain ist Thema dieser Illustration im Graphic Recording Stil. Hier wird verbildlicht, welche Schritte vor und nach dem Kauf eines Produktes ablaufen. Mit der Entwicklung des Produkts durch Ingenieure und Designer über den Einkauf von Rohstoffen zur eigentlichen Produktion sind bereits wichtige Schritte getan. Es folgt das Marketing, das im Idealfall zum Kauf führt. Doch auch nach dem Kauf muss der Kunde weiter betreut werden und kann einen gewissen Service erwarten.

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Weekly Graphic Recording #40: Hamburg ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands

Hamburg Illustration Designdoppel Visualisierung lebenswerteste

Meine Graphic Recording Illustration dieser Woche bezieht sich wieder auf ein aktuelles Thema. Gestern habe ich als Hamburgerin mich nämlich über diese Nachricht besonders gefreut: Hamburg wurde zum zweiten Jahr in Folge unter die Top Ten der lebenswertesten Metropolen der Welt gewählt! Zwar „nur“ auf dem zehnten Platz, dennoch ist es damit als einzige deutsche Stadt in der obersten Riege des „Global Liveability Reports 2017“ im britischen Magazin „The Economist“ aufgezählt. Die Studie prüft jedes Jahr 140 Weltstädte und gibt in verschiedenen Kategorien Punkte.

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Weekly Graphic Recording #38: Digitalisierung und Grundeinkommen

Graphic Recording Digital Precht Digitalisierung und Grundeinkom

Heute habe ich mir für das wöchentliche Graphic Recording ein Gespräch aus der Reihe „Im Dialog“ auf dem Sender phoenix ausgesucht, bei dem prominente Gäste den Moderatoren zu aktuellen Fragen Rede und Antwort stehen. Moderator Michael Hirz spricht in dieser Folge vom 18.05.2017 mit dem Bestseller-Autoren und Philosophen Richard David Precht über die Digitalisierung, wie sie die Gesellschaft drastisch verändert und wie die Politik damit umgeht und umgehen sollte.

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Weekly Graphic Recording #37: The first 20 hours

Graphic Recording digital Josh Kaufmann 20 hours learning

Eine neue Fähigkeit in 20 Stunden erlernen. Klingt reißerisch? Schlicht unmöglich? Josh Kaufmann räumt in seinem TED-Talk mit einigen Annahmen auf, die wir über das Lernen zu wissen glauben. Die 10.000 Stunden Regel beispielsweise. Sie besagt, dass wir, um eine Sache zu beherrschen, 10.000 Stunden ins Üben und Wiederholen investieren müssen.

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Weekly Graphic Recording #36: How to Find a Wonderful Idea

Graphic Recording digital idea illustration TED OK Go Sketchnote

Diese Woche habe ich mich für mein digitales Graphic Recording mit Kreativtechniken beschäftigt und wie so häufig einen interessanten Vortrag auf TED gefunden. In diesem Vortrag spricht diesmal kein typischer Redner, sondern die Musikband OK Go zum Publikum. Warum? Die amerikanische Rockband OK Go wurde vor allem durch ihre kreativen Musikvideos bekannt, in denen die Bandmitglieder zum Beispiel bei Schwerelosigkeit mit bunten Bällen in einem Raum herumspringen, auf Laufbändern choreografierte Tänze in Plansequenzen zeigen oder mit komplexen Abfolgen von Rube-Goldberg-Maschinen (ebenfalls als One-Shot) arbeiten.

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Weekly Graphic Recording #34: Customer Journey

Customer Journey Illustration Designdoppel Graphic Recording

Ein weiteres Bild aus unserer Reihe Wirtschafts- und Marketingbegriffe: Diese Woche habe ich mir das Thema Customer Journey vorgeknöpft. Dieses, in der Marketing-Welt weit verbreitete Modell, verbildlicht die Stadien, die ein Kunde im Idealfall durchläuft. Zunächst muss ein Produkt erst einmal im Bewusstsein des Kunden angelangt sein (Awareness), bevor er überhaupt seine Anschaffung in Betracht ziehen wird (Consideration). Anschließend wird das Produkt erworben (Purchase). Doch damit ist der Customer Journey noch nicht an seinem Ende angelangt – es folgt im Idealfall die Kundenbindung an das Produkt (Retention), sowie die Weiterempfehlung (Advocacy). Jedem dieser Überpunkte kann man im weiteren Schritt Touchpoints zuordnen, über die der Kunde erreicht werden soll.

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Weekly Graphic Recording #33: Ja zur Ehe für Alle

Ja zur Ehe für alle 2017 Graphic Recording Infografik Illustrat

Heute gibt es ein Graphic Recording Illustration zu einem brandaktuellen Thema: der heutigen historischen Bundestagsabstimmung über die Ehe für alle. 2001 erst wurde in der Bundesrepublik Deutschland homosexuellen Paaren das Recht gegeben, eine Lebenspartnerschaft einzutragen. Damit waren sie zwar der Ehe in Punkten wie Testament, Unterhaltspflicht und Ehegattensplitting gleichgestellt, dennoch blieben einige Punkte wie zum Beispiel das Adoptionsrecht verwehrt. Nun endlich wurde mit überzeugender Mehrheit beschlossen, dass in Zukunft kein Unterschied mehr zwischen hetero- und homosexuellen Paaren gemacht wird.

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Weekly Graphic Recording #32: Die Sommersonnenwende

Sommersonnenwende Sonnenwende Illustration Infografik

Die Sommersonnenwende – eines dieser Ereignisse, die jedes Jahr aufs Neue wiederkehren, die man wahrnimmt und wenig hinterfragt, weil man im Groben ja weiß, worum es geht. Aber halt, wissen wir das wirklich immer so genau, wie wir denken? Ich selbst habe mich zumindest dieses Jahr wieder gefragt, wie das denn noch einmal war mit der Erde, der Sonneneinstrahlung, dem längsten Tag, dem Sommeranfang. Und um diese Informationen für mich festzuhalten und zugleich mit anderen teilen zu können, habe ich eine kleine Infografik zur Sommersonnenwende erstellt.

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Weekly Graphic Recording #31: Methode 635

Methode 635 Illustration Designdoppel Graphic Recording

In dieser Woche geht es im Weekly Graphic Recording um die Methode 635. Dabei handelt es sich um eine beliebte Kreativitätstechnik, mit Hilfe derer die Teilnehmer eines Workshops oder Meetings schnell und unklompliziert eine Vielzahl an Ideen entwickeln sollen. Der Ablauf der Methode 635 ist kurz in meinem Graphic Recording angerissen: sechs Teilnehmer entwerfen drei Ideen, die dann in fünf zeitlich festgelegten Runden an die anderen Teilnehmer weitergereicht werden, die sich diese Ideen anschauen, und darauf aufbauend eigene Ideen entwerfen oder die vorgegebenen Ideen weiterentwickeln.

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